» 2014 » September-Tierheim Lampertheim

Tag der offenen Tür 2014

Nicht allen ist das Schicksal der Tiere egal.

 

Jugendgruppe im Einsatz
Foto: AfP Asel

 
 
 

TIERHEIM Tag der offenen Tür in den Böllenruthen

LAMPERTHEIM – (wa). Neugierige Besucher wurden am Sonntag in den Böllenruthen von Hundegebell begrüßt, denn dort veranstaltete das Tierheim Lampertheim seinen alljährlichen Tag der offenen Tür. Dieser ist für die Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins, Annette Maring, ein ganz besonderes Ereignis: „Die Organisation bedeutet für uns sehr viel Arbeit, dennoch haben wir Spaß und versuchen, diesen Tag auch immer als Kontaktmöglichkeit mit uns und unseren Tieren zu nutzen.“ Deshalb kämen immer viele Leute mit zuvor vom Tierheim vermittelten Tieren zu Besuch, wodurch auch die ehrenamtliche Arbeit und das Engagement aller Helfer gewürdigt wird. „Wir fangen hier schließlich Schicksale auf. Und für die Tiere müssen wir hart arbeiten, es reicht also nicht, nur eine gewisse Leidenschaft zu haben. Man muss sich richtig reinhängen“, so die Vorsitzende weiter.

Aktuell sind 21 Hunde sowie 23 Katzen im Tierheim untergebracht, wobei die Aufnahme von kleinen Katzen momentan durch Platzmangel nur beschränkt möglich ist und dadurch „leider eine Warteschleife entsteht“. Spezielle und andere Tiere werden in Pflegestellen untergebracht. Zusätzlich gebe es rechtliche Auflagen der Behörden, die beispielsweise einen Ausbau der Hundezwinger erfordern. Dabei interessiere es nicht, wie das Tierheim dies finanziell in möglichst kurzer Zeit umsetzen kann und soll: „Deshalb lagern wir unser Erspartes teilweise um, indem wir anstehende Investitionen nach Dringlichkeit abarbeiten.“ Finanziert wird dann durch Mitgliederbeiträge sowie Spenden, die für Annette Maring auch immer eine Anerkennung guter Arbeit bedeuten. Der Tag der offenen Tür bedeutet somit auch immer eine Art Kontrolle, ob Spenden gut ankommen und an der richtigen Stelle eingesetzt werden. „Man muss eben auch immer solide und nachhaltig bauen und investieren, zum Beispiel müssen Zwinger säurefest sein“, erklärt sie, „die Kosten sind hoch, aber das muss ordentlich gemacht werden.“

Besonders gut eigne sich dieser Besuchstag, sich Zeit für Gespräche mit Menschen und potenziellen Interessenten zu nehmen. Denn durch die vergleichsweise geringe Anzahl von Veranstaltungen, die beim Tierheim stattfinden, ist ein Austausch und die Kommunikation in diesem Maße selten möglich. „Zwar haben wir das ‚Fundtier des Monats‘, aber das reicht lange nicht, um das Heim genügend zu zeigen“, ist sich die Vorsitzende sicher. Schließlich wollen die Tiere vermittelt werden, selbst wenn die Helfer alles unternehmen, um den hoffentlich kurzen Aufenthalt im Tierheim für die Tiere angenehm zu gestalten. Annekatrin Geyer, Tierheimleiterin, steckt hierzu viel Engagement, Zeit und Arbeit in das Füttern, die Pflege und in die Möglichkeit eines Trainings für die Tiere, was Annette Maring hochwürdigt: „Es ist ein sehr harter Job, da man sich immer auch verschiedene Menschen gegenüberstellen muss und teils garstige Reaktionen erlebt.“ Wenn ein Tier nicht herausgegeben wird, würden manche Menschen sehr unangenehm.

Wie wird überhaupt entschieden, ob ein Tier vermittelt wird? „Wir geben einen Fragebogen heraus, bei dem nach Platz für das Tier, Finanzen, Familienverhältnissen, Erfahrungen mit Tieren, Beruf gefragt wird“, erläutert sie, „auch an Vermieterbescheinigungen muss gedacht werden, damit wir uns sicher sein können, dass das Tier akzeptiert wird.“ Es sei letztendlich auch der erste Eindruck der Person oder der Familie, der einiges zur Entscheidung mitwirkt. Wenn jemand nur käme, um ein älteres Tier gegen ein jüngeres „auszutauschen“ oder kein wirklicher Wille für eine verantwortungsvolle Pflege erkennbar sei, dann sei es zwecklos, das Tier zu vermitteln. Arbeitslosigkeit, vor allem vorübergehende, sei hierbei auch deshalb ein Problem, da sich bei Wiedereintritt in den Beruf häufig nicht mehr um das Tier gekümmert werden kann. „Was uns auch auffällt, ist eine Art Tierheimtourismus. Sie werden nur als Anschauungsobjekte betrachtet, selten besteht jedoch ernsthaftes Interesse.“

Der längste Aufenthalt eines Tieres beträgt momentan etwa neun Monate, was für die Vorsitzende des Tierschutzvereins bedrückend ist: „Eine neue Umgebung bedeutet für sie immer eine schwere Last, viele werden krank vor Trauer und Sehnsucht nach den Bezugspersonen, mit denen sie meist eine Lange Zeit verbracht haben. Deshalb ist es treulos, sich beispielsweise bei einem Umzug keine frühzeitigen Gedanken um eine gute Unterkunft und um die Zukunft des Tieres zu machen.“ Man müsse sich immer bewusst sein, dass eine solche Einrichtung wie ein Tierheim nur eine Notlösung sei.

 

Hier in Lampertheim „auf dem Land“ habe man nicht das Problem, dass Tiere nur zur Urlaubszeit oder nach Weihnachten abgegeben werden, sondern man habe ganzjährige Anfragen. Vor allem dadurch, dass Menschen sterben und sich deren Erben oft nicht kümmern wollen. Für ein Tier Geld auszugeben – dazu sei nur wenig Bereitschaft sichtbar.

Rhein-Main Presse vom 8.7.2014

» 2014 » September-Tierheim Lampertheim » 2014 » September-Tierheim Lampertheim